Heinz Rudolf Kunze (HRK)

Shownotes

Unsere Musik in dieser Folge:
HRK: Genesis - Watcher of the Skies
Maegz: The Clash - London Calling
Andreas: HRK - Dann fängt die Liebe an
Jérome: xxx



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00:00:00: Soundtrack of life,

00:00:05: Geschichten

00:00:06: die das Leben schrieb.

00:00:10: Ich bin Jerome Brinell, außerdem mit dabei Andreas Zimmer.

00:00:13: Grüß dich Andi!

00:00:14: Ah ist schon wieder so bei Hallo,

00:00:16: ich freu mich total.

00:00:17: Jawoll und Markus Henkel hallo Max

00:00:19: Hello again

00:00:20: Und?

00:00:21: Hey

00:00:21: du klaust meine Texte.

00:00:23: Er ist weit mehr als nur ein Musiker, er ist Poet, Chronist einer der schärfsten Beobachter der deutschen Gesellschaft.

00:00:29: seit über vier Jahrzehnten prägt er schon in Deutschland mit seiner Musik oder prägt er Deutschland mit seiner Musik und seinen Texten.

00:00:36: Heute zu Gast, der Mann, der uns lehrte, dass dein, ist mein ganzes Herz weit mehr als nur ein Liebeslied.

00:00:41: Wir kommen Heinz-Rolf Konze.

00:00:43: Schön, dass du wieder da bist!

00:00:44: Freut mich eben so, hallo!

00:00:46: Das war's ja schon mal bei uns und wir müssen mal über dein neues Album sprechen.

00:00:50: aber bevor wir das tun... ...wir haben so'n bisschen gerätselt, wie viel das ist weil man kann ja da schon die Übersicht verlieren.

00:00:57: bei der Menge an Alben, die Du schon veröffentlicht hast?

00:01:02: kommt immer drauf an, wie man es zählt.

00:01:03: Wenn man wirklich alle Veröffentlichungen nimmt also die Studioplatten, die Liveplatten, die Best-Offs, die Sonderprojekte und so weiter dann bin ich jetzt irgendwie bei zweiunddreinfünfzig.

00:01:14: Also ich habe noch eine minimale Hoffnung Johnny Cash noch einzuholen.

00:01:18: Obdeln schaffe ich auf jeden Fall.

00:01:20: Jetzt gibt's dein neues Album.

00:01:22: Wie lange hast du dafür gebraucht das aufzuzeichnen oder aufzunehmen?

00:01:26: Es

00:01:26: ist eine schwierige Frage.

00:01:27: wenn man die Zeit mit einrechnet in der man es komponiert, dann sind das so anderthalb Jahre.

00:01:34: Nur selbst das lässt sich nicht genau bestimmen weil ich ja im Grunde genommen jeden Tag Texte und die Texte, die ich auswähle für ein Album Das ist etwas relativ spontanes, intuitives Nicht-zu-Erklärenes.

00:01:46: Da schneide ich sozusagen einen Stück aus dem Fluss heraus Und dann fließt der Fluss weiter.

00:01:53: Ich würde also sagen das erste Mal an das Album gedacht und überlegt welche Texte könnten da denn zusammenpassen?

00:02:00: Ja, zwei Jahre gewesen sein.

00:02:01: Und dann lebt man halt zwei Jahre on und off mit der Entstehung so einer Sache.

00:02:05: Die eigentlichen Aufnahmen sind ja heutzutage sehr abstrakt geworden.

00:02:09: Das macht man entweder bei sich zu Hause oder beim Produzenten Zuhause Oder man mietet ein Studio in Hamburg um den Schlagzeuger aufzunehmen.

00:02:16: Das ist nicht mehr wie früher wo man wochenlang, jahrmonatelang Gemeinsam irgendwo in einem studio gesessen hat Sondern das passiert alles in einem sehr punktuellen Verfahren Und der arme Produzent muss das alles koordinieren unter einen Hut kriegen.

00:02:32: Also zwei Jahre Lebensdauer mit dem Album und Aufnahmezeit, das sind vielleicht mein Gott zerstückte vier Wochen.

00:02:38: Angebot

00:02:39: und Nachfrage heißt das neue Album.

00:02:41: wenn so ein Album auf den Markt kommt?

00:02:43: Bist du dann jemanden, der dann guckt wie die Verkaufszahlen sind?

00:02:46: Und denke, jetzt habe ich wieder ein bisschen mehr verdient.

00:02:48: oder ist es eher so unter dem künstlerischen Aspekt das du sagst.

00:02:52: Wow!

00:02:52: Ich bin mal gespannt wie das künstlarisch ankommt bei den Menschen?

00:02:55: Ja,

00:02:55: so tief kann nämlich ja gar nicht mehr Bücken heutzutage wenn ich nach den Verkaufszahlen sehen will.

00:02:59: Das geht ja den meisten Kollegen so.

00:03:02: natürlich finde ich es schön Wenn ich sagen kann mein schwäbischer Produzent Udo Ringklin aus Metzingen hat mich jetzt zum vierten Mal hintereinander in die Top ten gebracht und zum dritten Mal in die top five.

00:03:13: dieser symbolische Wert Einstellig vor dem Komma zu sein in den Charts, das bedeutet glaube ich einem immer noch was auch wenn es nur noch symbolischen Wert hat.

00:03:21: Rein quantitativ sind ja die Umsätze die man mit Tonträgern macht lächerlich und Streaming bleibt für mich Diebstahl und eine kriminelle Tatsache.

00:03:32: da bekommen wir sehr gut wie nichts.

00:03:33: also die CD-Einbrüche sind ja gigantisch Und das kann auch des angesagte sogenannte Revival von Vinyl in keiner Weise kompensieren.

00:03:45: Also man macht heute Tonträger nur noch, um die nächste Tournee zu bewerben.

00:03:49: Früher war das andersrum.

00:03:50: Frier war ja ein Album im Gesamtkunstwerk also etwas was man in der Hand nehmen konnte und den man riechen konnte.

00:03:57: so ein haptisches Erlebnis ist nicht nur für die Ohren.

00:04:00: Man hat das ganze Album durchgehört.

00:04:02: Inzwischen du hast es auch gesagt dominieren Streamingdienste

00:04:06: Aber nicht für mich.

00:04:06: meine Albe sind für mich immer noch Gesamtkunstwerke weil für mich nur dass Venyl und die CD zählt.

00:04:12: alles andere nehme ich gar nicht wahr Und er werde mich auch als Konsument nie beteiligen.

00:04:15: Ich bin ein leidenschaftlicher Sammler von Platten, CDs, Büchern und daran wird sich auch in meinem Leben nichts ändern.

00:04:21: Das haptische hast du eben angesprochen.

00:04:23: das ist für mich ganz wichtig.

00:04:24: ich will das Ding haben ich will die Nase reinhalten können oder ran halten können ich will Exegese betreiben wie mit einem Bibelauszug ich will alles dann ganz genau wissen und haben weil sammeln das finde ich erotisch.

00:04:38: Musik zu behandeln wie ein Stück hörbare Tapete oder wie ein stück Duftspray das reicht mir nicht.

00:04:42: Ich habe

00:04:43: neulich mit meinem Sohn drüber gesprochen und hab gesagt, früher hat man sich ja mit seinem Taschengeld für einen Album entscheiden müssen.

00:04:49: Man hatte nicht unendlich viel Taschengeld und es gab aber schon mehrere Künstler die man haben wollte.

00:04:53: Man musste dann sagen okay in dem Monat oder der Woche kaufe ich mir zum Beispiel die Platte von oder die CD von?

00:04:59: Ja!

00:05:01: Wirklich dafür und sage, das ist jetzt der, dem ich meinen Herz schenke.

00:05:03: Das möchte ich haben dieses Album weil mir der Künstler gefällt und überhaupt das kennen Kinder oder Jugendliche von heute ja gar nicht mehr.

00:05:10: bei denen ist es Ja wirklich beliebig dieser unendliche Stream von Musik wo alles irgendwie nix kostet.

00:05:15: und gleich durch den Ad habe warbert Ich kaufe immer noch gerne Musik weil ich genau wie du ich will die haben dass heißt Ich mache jetzt doppelt.

00:05:24: Ich streame sogar und ich kaufe trotzdem die Platten und die CDs, technisch kommt man unterwegs ja fast gar nicht mehr anders an.

00:05:30: Musik ran also wirklich handwerklich.

00:05:32: wie kriege ich das auf meinen Telefon um es dann im Auto offline zu hören zum Beispiel?

00:05:37: aber ich will einfach die CD haben ich will mich zuhause hinsetzen können eine platte auflegen und die cd im schrank stehen haben damit ich sie jederzeit raus holen kann selbst wenn was internet ausfällt.

00:05:46: dass ist ein mustergutiges verhalten Das ist vorbildlich, denn ansonsten wäre es nur Wohlstandsverwahrlosung.

00:05:53: Mehr ist das mit dem Streaming nicht!

00:05:54: Und diese Entscheidung... Ich muss mein Herz an einen Künstler hängen ja?

00:05:58: Ich muss mich entscheiden und ich muss mit meinem begrenzten Taschengeld bewusst umgehen.

00:06:02: Ja, das ist doch ein ganz großes Lernerlebnis für ein Kind.

00:06:05: Also auch ich war bei mir ganz ähnlich hier.

00:06:07: Bei mir hat das Taschendgeld allerdings nur für eine LP im Monat gereicht und dann habe ich die halt den Monat lang durchgehört und kannte die von vorne bis hinten und hab sie angefasst und angeschaut.

00:06:18: Fand das toll?

00:06:19: Ich erinnere mich, es gab mal ein Album von Madonna.

00:06:21: Das war sogar parfümiert und immer wenn ich das gespielt habe damals im Radio und das Album dann in der Kiste stand was jemand das rausgeholt hat für die jeweilige Sendestunde.

00:06:31: Immer wenn dieses Album im Studio war, dann roch nach kurzer Zeit das ganze Studio nach diesem Paffa dass Madonna sich da ausgesucht hatte oder wer auch immer von ihrem Album.

00:06:42: Was ich auch festgestellt habe, ich finde die Wertschätzung an sich für Musik ist geringer geworden was sie so einfach verfügbar ist.

00:06:49: Ja klar das hängt doch unmittelbar damit zusammen.

00:06:51: Das ist jetzt nur noch eine akustische Tapete für den Menschen wenn Sie Streaming benutzen.

00:06:56: Ich hab in meinem Auto einen CD-Spieler noch und ich gehe immer mit einer Tasche voller CDs in mein Auto Wenn ich ne längere Strecke fahre.

00:07:02: streaming das verweigere ich einfach das boykottiere ich das mache nicht mit dass es der kleine Mann und seine Möglichkeiten in der Politik einfach etwas nicht zu benutzen.

00:07:10: Du trittst aber nach wie vor auf.

00:07:12: Vor Publikum, vor deutschem Publikuum und ähm...

00:07:15: Ja das ist ja auch echt!

00:07:15: Das kann man mir ja nicht stehlen.

00:07:17: Genau, das wollte ich gerade sagen.

00:07:18: Das ist ja echt, ja?

00:07:19: Und da hast du wirklich den Touch zum Publikumen und umgekehrt das Publikums zu dir.

00:07:24: Ist es etwas was du heute... Ich meine du hast ja wirklich ganz ganz viele Konzerte schon gespielt.

00:07:28: Ist das etwas was tu heute noch genießen kannst so diesen direkten Kontakt mit dem Publikium?

00:07:33: Ja auf jeden Fall.

00:07:34: also ich habe meine Berufsausübung nicht satt Auf gar keinen Fall.

00:07:38: Ich mache das jetzt irgendwie forty-sechs Jahre lang und dass man dann nicht mehr so erpicht ist auf jedes deutsche Hotel, ich glaube es ist nachvollziehbar.

00:07:47: also der Radius in dem wir nach einer Show wieder nach Hause fahren wird im Lauf der Jahre immer größer.

00:07:59: Die das Leben

00:08:00: schrieb.

00:08:00: Und zuerst ist Heinz Rodolf Kunze?

00:08:02: Und ich habe eine Frage, weil nämlich... Ich hab gesehen du bist ja gerade solo unterwegs mit der Tour.

00:08:08: Das sagt er Richtige und ich hab die Termine angeschaut und mir es aufgefallen.

00:08:12: Die sind alle eigentlich irgendwie am Wochenende.

00:08:15: also ich sag mal sehr konzertgängerfreundlich Freitag Samstag Sonntag.

00:08:19: hat das ein Grund?

00:08:20: Ja natürlich hat das einen Grund da kommen die Leute lieber!

00:08:23: Also in der Woche ist es nicht so einfach Örtlichkeit auszuverkaufen.

00:08:29: Wenn man mit der Band spielt, geht es manchmal nicht anders.

00:08:32: Da müssen wir auch in einer Woche spielen damit der Zirkus am Rollen bleibt und nicht zu viele freie Tage uns zu viel Geld kosten.

00:08:38: aber wenn man sich das aussuchen kann sind natürlich die Tage Freitag samstags Sonntag für den Veranstalter die und für mich die ertragreichsten.

00:08:46: ist doch ganz logisch da haben die Menschen Lust sich was zu gönnen.

00:08:49: haben sie Zeit und dann gehen Sie lieber aus als an einem Montagabend sagen wir mal.

00:08:54: Ich habe früher auch ein bisschen Musik gemacht, hobbymäßig und war auch ein paar Mal auf der Bühne und als junger Mensch hatte ich nach neunzig Minuten einfach genug gestanden und das schwere Instrument um den Rals hängen gehabt so dass ich mich frage jetzt bin ich um die sechzig?

00:09:09: könnte ich das heute noch durchhalten?

00:09:11: weiß ich nicht?

00:09:12: wie machst du das?

00:09:12: Wie lang sind deine Konzerte?

00:09:13: Wie bereitest du dich vor?

00:09:15: also ich bin neunundsechzig und ich sitze ja sowohl an der Gitarre vorne als auch am Flügel einer Seite Und insofern ist das überhaupt kein Problem und das geht sehr gut.

00:09:25: Meine Konzerte sind so zwei Stunden, zwanzig.

00:09:28: Das ist ordentlich!

00:09:30: Du wirkst auf mich wie ein sehr disziplinierter Mensch.

00:09:33: Gibt es denn so Rock'n Roll Untugenden die du dir privat gönnst?

00:09:38: So ganz heimlich...

00:09:39: Nein nein ja ich belohne mich gerne mit gutem Wein oder mit dem Gin Tonic, oder mit einem Whiskey wenn ich alles hinter mir habe.

00:09:47: Aber tagsüber, wenn ich arbeiten muss und mich fokussieren muss bin ich straight... ...und andere Drogen als Alkohol kenne ich nicht.

00:09:53: Ich hab vor zwölf Jahren glaube ich oft gehört zu rauchen.

00:09:56: Ich habe sehr gerne zunächst Pfeife und dann Zigarillos geraucht.

00:09:59: Das ist aber keine gute Entscheidung für die Stimme auf Dauer.

00:10:02: Wenn man mit um die siebzig noch singen möchte sollte man das tun nichts mehr tun.

00:10:06: Und ja!

00:10:08: Ich arbeite gerne.

00:10:09: Jeder

00:10:09: darf bei uns Musik mitbringen Nur für mich reicht es manchmal nicht, aber auf jeden Fall für unseren Gast.

00:10:14: Was hast du uns denn heute mitgebracht?

00:10:16: Ich habe

00:10:16: heute ein Stück mitgebracht an das ich eben nicht nur inhaltliche und musikalische sondern vor allen Dingen so situative Erinnerungen habe.

00:10:35: Und da kamen Zuschauer eben nicht nur aus dem Osnabrücker Raum, sondern auch aus Bremen, aus Hannover und aus Dortmund.

00:10:42: Also das Stadteater Ausnerbrück platzte praktisch aus allen Nähten.

00:10:45: Das war das erste Mal in meinem Leben dass ich ein Melotron live hörte.

00:10:49: natürlich kannte ich das von Platten.

00:10:51: Ich bin großer King Crimson Fan, ich kenne es von Modi Blues und anderen Leuten klar.

00:10:56: Aber ein Meloton Live zu erleben sprich das Opening von Watcher of the Skies Wenn Tony Bangster reinlangt, hat man das Gefühl als junger Mensch dass Thomas Mann beschrieben hat also mit einem Schulfreund im Lübecker Theater bei einer Richard Wagner Aufführung war.

00:11:11: Er hat darüber geschrieben.

00:11:12: ich sah meinen Freund an und dachte jetzt schneiden wir uns die Pulsadern auf.

00:11:15: schöner kann das Leben

00:11:16: nicht mehr werden.

00:11:25: Zuerst ist Heinz-Rudolf Kunze und wir haben ja auch als letztes Mal bei uns zu Gast war es darüber gesprochen, dass ihr wirklich großartiger, ich nenn's jetzt mal Wortakrobat bist.

00:11:34: Und dass du dich aber auch immer gerne auch mal kritisch zur deutschen Gesellschaft äußerst.

00:11:39: Wie stehst denn du zur Zeit?

00:11:40: Also wie ist deine Diagnose im Moment zu Deutschland?

00:11:43: was da so passiert politisch und gesellschaftlich?

00:11:46: Wir beschäftigen dich das überhaupt?

00:11:48: Ja natürlich!

00:11:50: Nicht nur Musikant, sondern auch Zeitungsleser, Fernsehen, Kucker, Radiohörer.

00:11:54: Nachrichten, Konsument... Was los ist in Deutschland und was los ist der Welt?

00:11:59: Kann einen ja nicht kalt lassen wenn man nicht konsequent den Kopf in den Sand steckt!

00:12:03: Ich mache mir nicht nur um die derzeit tobenden Kriege sorgen, sondern natürlich innenpolitisch auch um die bedrohte demokratische Mitte, die von allen Rändern unter Druck gesetzt und angegriffen wird.

00:12:18: Ich bin ein melancholischer Bürgerlicher, früher als Student war ich linksradikaler, aber ich habe einen weiten Weg zurückgelegt.

00:12:23: Ich suche mir meine Wahrheiten hier und da wo ich sie finde Und ich mache mir große Sorgen dass die bürgerliche schweigende Mehrheit sich nach und nach aushöhlen lässt von links rechts islam und so weiter und sofort.

00:12:35: Islamismus mein ich natürlich und ich glaube das wir mit der Brandmauer ein politisches Konstrukt geschaffen haben Das entsetzlich ist und das nur den Leuten Jensatz der Brandmauer nutzt.

00:12:48: Die werden weiter steigende Wählerziffern zu verzeichnen haben und den Rest der vorhandenen Parteien dazu zwingen, letzten Endes in einer Gesamtmelange gegen die Leute Jensats der Brandmauer anzutreten, die ihre Unterschiede unerkennbar macht und die Leute noch mehr verbittert und noch mehr in die Arme der Rechten treibt.

00:13:05: Ich muss ja sagen, ich habe ein neues Album.

00:13:08: Ein neues Albo ist jetzt auch schon weit auf dem Markt.

00:13:10: Es sind im Jahr zwei tausendfünfundzwanziger Album Angebote Nachfrage gewissenhaft durchgehört und mir ist vor allem ein Song dabei genau zu diesem Thema sehr im Ohr geblieben.

00:13:20: die Angst geht um.

00:13:21: Und ich fand vor allem auch sehr bemerkenswert die Gitarren da drin.

00:13:26: das hat meinen Gitaristenherz sehr gefreut diese Gitarre aber auch textlich, wie du dich positionierst und wie du eben auch diese Situation ansprichst.

00:13:34: Ist das eigentlich auch was, was du bedauerst?

00:13:36: Dass sich immer weniger Künstler wirklich auch wagen, sich zu positionieren und wirklich auch auszusprechen, was sie sehen, was die bewegt?

00:13:44: Das ist sicher so!

00:13:45: Ich habe gehört dass Grünenmeyer eine Menge Gegenwind bekommen hat als er bei einem Konzert vor kurzem in Wien etwas Deutliches gesagt hatte, da hat wohl der halbe Saal den Ausgebot.

00:13:55: also Herbert ist jemand das noch macht.

00:13:59: Allerdings wahrscheinlich auch mehr durch Statements außerhalb der Lieder als innerhalb der Leder.

00:14:03: Mir ist so ein wichtiges Anliegen, dass die Kollegen nicht nur irgendwelche Sprechblasen zu diesen Themen ab, sondern dass sie das in ihre Arbeit hineinholen und eben auch einige Lieder bei ihnen davon handeln.

00:14:13: Das machen wirklich nur ganz wenige nach meiner beschränkten Wahrnehmung.

00:14:16: Ich kenne ja nicht alles aber es ist mein Eindruck.

00:14:19: Und ich finde, es gehört in unsere Arbeit hineinein Geregten Fäuste und markigen Statements, die wir in irgendeine Kamera geben.

00:14:28: Sondern mit unseren Mitteln!

00:14:29: Mit den Mitteln unserer Arbeit sollten wir uns diese Themen zu eigen

00:14:31: machen.".

00:14:32: Du warst ja schon immer bekannt als jemand der kein Blatt vor dem Mund nimmt und sagt was ihm bewegt.

00:14:37: Dennoch wird gerade das Album Angebot-und Nachfrage als ein politisches vielleicht das politischste Album von dir bezeichnet?

00:14:44: Kannst du das

00:14:44: nachvollziehen?".

00:14:45: Also als eines der auf jeden Fall... Irgendwo hat das immer eine Rolle gespielt.

00:14:50: Mal mehr, mal weniger.

00:14:50: Das ist immer eine Sache.

00:14:52: Welchen Cocktail an Liedern mixt man zusammen für ein Album?

00:14:54: Was glaubt man... was funktioniert gut zusammen?

00:14:57: Was passt gut

00:14:58: zusammen?!

00:14:58: Was macht zusammen eine gute Achterbahnfarb für den Hörer?

00:15:01: Also was macht Spaß von vorne bis hinten durchzuhören?

00:15:04: Das ist ein komplizierter Mix von Themen, von Instrumenten, von Stimmungen und Farben Und diesmal ist eben so'n Mix rausgekommen wo es relativ viel um die Außenwelt geht und weniger um um innere Befindlichkeiten und das ist ja auch mal ganz schön.

00:15:16: Und es scheint gut zu funktionieren, denn das Album hat wirklich so viel Lob gekriegt dass man geradezu manchmal violett wird vor erfreuterscham.

00:15:25: Andreas!

00:15:26: Auch du hast wieder Musik mitgebracht für uns?

00:15:28: Ich habe mir was vom neuen Album ausgesucht, denn wir haben schon drüber gesprochen, Heinz Rodolfs Kunze hab' ich kennengelernt erstmal durch Sicherheitsdienst.

00:15:35: Das war ein lustiger Text und das war noch nett dargeboten damals als junger Mensch.

00:15:42: Danach kam schnell dein ganzes Herz, dass mir durch die intelligenten Texte aufgefallen ist.

00:15:49: Kein Nullacht-Fünfzehn-Liebeslied und vom neuen Album ist mich am meisten angesprochen gerade weil es so eigentlich kontrovers ist.

00:15:59: jemand sagt zu jemand anders, du bist meine Katastrophe.

00:16:04: Du bist meine Therapie und was du wann genau bist weiß man vorher leider nie.

00:16:08: oder wenn man Gefühle die man unterdrückt nicht mehr zähmen kann dann ja Dann fängt die große Liebe an Oder?

00:16:17: Ja klar!

00:16:19: Die Musik ist von dir von Matthias Ulmer Von meinem sehr lieben Keyboarder der seit Jahrzehnten an meiner Seite ist Und er greift sich gerne bei mir so die verschmützten Sachen raus, wenn er komponieren darf.

00:16:31: Das war auf jeden Fall an mir hengeblänkt.

00:16:33: und dann fängt die Liebe an und ich finde das wunderbar denn letztlich sagst du ja Du bist so besonders und vielleicht auch so anders Und ich liebe dich genau deswegen.

00:16:43: und es ist nicht so schmalzig wie andere sondern ein intelligenter Ansatz Wie man einen liebtexten kann oder ein thema finden

00:16:51: kann.

00:16:52: Ja und im zehnteil heißt es noch kurz dass natürlich die liebe im alter Gewisse, die soll man sagen, Abriebserscheinungen hinnehmen muss.

00:16:59: Aber trotzdem nicht verloren

00:17:00: geht.".

00:17:01: Ja

00:17:01: ich fühlte mich als alter Mann da sehr wiedererkannt.

00:17:03: Ja ich mich auch!

00:17:05: Die Musik zum Nachhören findet ihr in der Playlist Soundtrack of Life bei Spotify oder Deezer

00:17:12: Heinz-Rudolf Kunzel zu Gast.

00:17:14: Du hast vorhin auch dein Alter angesprochen?

00:17:16: Wir werden ja alle nicht mehr jünger.

00:17:18: Gibt es denn irgendwie eine wichtige Lektion, die dir das älter werden bisher beigebracht hat?

00:17:23: Ach jeden Tag kommt da einer hinzu... Man muss versuchen Haltung zu bewahren und sich nicht in einem durchaus nachvollziehbaren Gejama über das zu verlieren, was alles nicht mehr so klappt wie früher.

00:17:36: Man muss geordnete Rückzugsgefechte vollziehen.

00:17:40: Betrifft

00:17:40: es auch deine Kunst?

00:17:41: Ich glaube nicht.

00:17:42: oder du bist nach wie vor da sehr produktiv!

00:17:44: Kann man sagen der Schreibausstoß ist hoch und ich würde gerne jedes Jahr ein Album machen, so wie das früher möglich war.

00:17:50: Das ist heute leider nicht mehr möglich.

00:17:51: Der Markt einfach nicht mehr her.

00:17:53: Aber ich glaube schon, dass ich noch zehn Alben oder mehr in mir habe.

00:17:58: Ich war ganz überrascht... Nein eigentlich war ich nicht überraszt, sondern der außenstehende Hörer wäre überraschend wie rockig eigentlich Angebot und Nachfrage ist.

00:18:07: Da gibt es nochmal richtig Gas finde ich!

00:18:09: Ja,

00:18:09: auch dass es eben dem Zufall der Auswahl geschuldet.

00:18:14: Das hätte auch anders ausgehen können mit mehr nachdenklichen Balladen.

00:18:19: Ich finde schon das der Mix so geworden ist weil ich mir immer den höherer Träume wirklich alles von Anfang bis Ende hört und dabei sich gut unterhalten fühlt und er einfach durch eine Folge von verschiedenen Landschaften geführt wird Stimmungen die ihm insgesamt Lust machen.

00:18:35: Ich möchte auch, dass ein Kunstalbum nicht nur mit gerunzelter Stirn bei Kerzenlicht und Tee und Räucherstärbchen funktioniert sondern am liebsten unter der Dusche.

00:18:44: Sag mal, wir haben vorhin deine Platten-Sammlung gesprochen.

00:18:47: die Gerüchte gehen du hättest vierzig tausend CDs im Keller?

00:18:50: Nicht im Keller aber sonst stimmt's!

00:18:52: Hast Du denn auch einen extra Raum wo Du Musik hörst?

00:18:55: Ja oben mein Atelier klar... Und die Sammlung von Schallplatten und CDs passt nicht mehr in einem Raum.

00:19:01: Die wuchert langsam wie ein Pilz durchs ganze Haus.

00:19:05: Da müssen

00:19:05: wir uns mal über die Möglichkeiten unterhalten, die du da gefunden hast.

00:19:08: Denn ich platze aus allen Netten!

00:19:10: Bei mir stehen die Platten mittlerweile in der Garage wo sie sich ja nicht hingehören.

00:19:13: Argumentationshilfe für meine Frau, die schimpft immer.

00:19:15: Ich sage, meine Plattensammlung und meine CD-Sammlung ist zu groß, das sag' ich aber.

00:19:18: Der Heinz Rudolf Kunze hat noch viel mehr... Ja,

00:19:20: lad es ruhig bei mir ab.

00:19:23: Heute Abend stehst ihr wieder auf der Bühne.

00:19:25: umso mehr freue ich mich dass du trotzdem die Zahl für uns gefunden hast.

00:19:29: Und wenn du auf der bühne stehst dann bietest du ja dem Publikum etwas und vielleicht auch mal was Lehrreiches, mit deinen Liedern.

00:19:37: Gibt es denn auch was, was du sagst?

00:19:40: Was du

00:19:40: vom Publikuum mitnimmst oder was du vom deutschen Publikumen gelernt hast?

00:19:44: Also ich lerne jeden Abend in dieser Interaktion etwas für meinen Schreiben weil ich glaube so wie die früher durfte mein Eskimo sagen Ich weiß gar nicht wie das heute korrekt heißt interessiert mich auch einen Scheißdreck.

00:19:56: Die haben irgendwie angeblich doch vierzig Worte für Schnee Und ich glaube, ich habe mittlerweile so ungefähr vierzig Worte für Beifall.

00:20:01: Gibt so viele verschiedene Formen von Beifall wie der sich anhören kann.

00:20:05: Der Verständnisvolle, der Begeisterte, der irritierte...der falsche!

00:20:13: Das ist sehr spannend und da lerne ich jeden Abend etwas und ich bin auch das gehört glaube ich als Grundvoraussetzung zu unserem Beruf dazu immer noch ganz naiv glücklich und zufrieden und stolz wenn sie am Schluss dann aufstehen und auch ganz laut klatschen und mich nicht gehen lassen wollen usw.

00:20:29: Wenn man davon genug hat, sollte man aufhören.

00:20:32: aber davon kriege ich glaube ich nie genug von dieser wunderbaren Rückmeldung.

00:20:36: Max

00:20:36: du bist dran mit deiner Musik!

00:20:38: Ich habe auch ein bisschen was zeitkritisches.

00:20:40: allerdings war es zeitkritisch.

00:20:41: Ende der siebziger Jahre.

00:20:43: Ich hab mir heute etwas rausgesucht von The Clash und zwar haben die verschuldet und ohne Management ein Song rausgebracht.

00:20:52: Und man hört aus dem Song auch ein bisschen an die ganze Problematik, die da in der Gesellschaft dahinter steht.

00:20:57: Die waren inspiriert oder vielmehr unter dem Eindruck der gesellschaftlichen Probleme Der Niedergang der Gesellschaft im kalten Krieg.

00:21:04: dann gab es Umweltkatastrophen Es gab das Reaktorunglück Ende der siebziger In den USA Three Mile Island.

00:21:10: Es waren viele Sachen die da so apokalyptisch in diesen Song mit reingespielt haben und es ist immer noch einen Punk-Song.

00:21:16: Das hört mal dem Ganzen eben auch an diese Mischung die da rauskommen, wenn man sagt okay.

00:21:20: Da sprechen Leute aus einem Genre, die schon eh sehr direkt sind noch diese Themen an, die uns alle belasten.

00:21:25: und tatsächlich merkt man auch heute könnte man das immer noch ganz wundervoll machen.

00:21:29: Man kann es immer noch ansprechen, man kann das in Kunst- und Musik verpacken, die Kritik an Missständen in der Gesellschaft – und ich finde The Clash haben das in London Calling neunzeintneunundsebzig sehr schön auf den Punkt gebracht!

00:21:40: Deswegen ist das heute mein Kandidat.

00:21:41: Als du zur Clash gesagt hast, habe ich eigentlich ein ganz anderes Stück gedacht.

00:21:45: Nämlich sofort an Should I stay or should i go?

00:21:48: Aber das wäre ja wieder zu einfach gewesen.

00:21:51: Ich sehe schon, du gehst immer den direkten

00:21:54: Weg.

00:21:54: Aber man sollte vielleicht ab und zu einen Umweg gehen!

00:21:57: Wir hatten heute einen fantastischen Gast wieder... Heinz Rudolf Kunze.

00:22:01: Vielen, vielen lieben Dank dass du unser Gast warst und ich wünsch dir für deine Zukunft alles Gute vor allem Gesundheit und weiterhin den Erfolg den Du Dir wünscht!

00:22:11: Und mach bitte die zehn Alpen noch fertig die Du uns angekündigt hast.

00:22:16: das würde uns wirklich sehr freuen und wenn Du das nächste Album auf dem Markt willst kannst Du gerne wieder bei uns vorbei schneiden und darüber erzählen Mach

00:22:24: ich gern.

00:22:25: Wie sagt man bei euch Adele?

00:22:26: Hier bei den Süddeutschen vielleicht, bei mir sagt man...

00:22:41: Tschüss!

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